Langzeitarbeitslose und Menschen aus prekären Schichten gehen immer seltener wählen. Dies ist inzwischen durch zahlreiche Studien belegt. So konnte nachgewiesen werden, dass Stadtviertel mit hohen Einkommen und einer hohen Zahl gut ausgebildeter Bewohner eine hohe Wahlbeteiligung haben. Umgekehrt gilt: In Stadtvierteln mit vielen schlecht qualifizierten Menschen und überdurchschnittlich vielen Hartz IV-Empfängern wird weniger gewählt.
Die Motive dagegen sind allerdings kaum erforscht. In diese Lücke stößt nun die Studie „Demokratie ohne Langzeitarbeitslose? Motive langzeitarbeitsloser Nichtwähler“. Das Besondere dabei: Die Interviewer/-innen teilen mit den Interviewten die Erfahrung der Langzeitarbeitslosigkeit. Dieses Gespräch „auf Augenhöhe“ unterscheidet die Studie von anderen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Auch der Fragebogen wurde gemeinsam mit Langzeitarbeitslosen entwickelt. So kommen Probleme und Interessen der Zielgruppe deutlich zu Sprache.
Mittlerweile sind über 66 Interviews in ganz Deutschland geführt worden. Nach ersten Auswertungen lässt sich sagen, dass die Befragten in der Regel durchaus politisch interessiert sind und das ganze politische Spektrum repräsentieren. Hauptkritikpunkte sind: Die Politiker hören nicht zu und sie halten ihre Versprechungen aus dem Wahlkampf nicht. Fast alles Befragten sprechen auch über die mangelnde Unterstützung für Langzeitarbeitslose und den fehlenden Respekt. Sie möchten ihr Leben selbstständig gestalten und erwarten dabei Hilfe von der Politik.
Die Befragten wurden auch gebeten, ob sie die Entscheidung, nicht mehr zu wählen, in einer künstlerischen Form verdichten können – in einem Bild, Gedicht oder Lied. Daraus entstanden einige Bilder für diese Ausstellung. Daneben finden sich ausgewählte Zitate aus den Interviews.
Besuchen Sie die Ausstellung vom 8. bis 26. Mai 2017
Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, im Basis, Hauptstätter Str. 41, Stuttgart
Quelle: DENKFABRIK | FORUM FÜR MENSCHEN AM RANDE